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Meldungen von der "Teufelslinie" (2008-2014):
 

Vorgeschichte:
Die Arge Eifel-Nebenbahnen e.V. hatte bereits im Jahr 2007 erstmals nach einer Befahrbarkeit der Nebenbahn Erdorf - Bitburg Stadt beim zuständigen Eisenbahninfrastrukturunternehmen (Stadtwerke Bitburg) angefragt, aber seinerzeit leider eine Absage erhalten. Die Infrastruktur Erdorf - Bitburg Stadt war zu diesem Zeitpunkt (vorerst) betrieblich gesperrt.

Sommer 2008
Die Stadtwerke Bitburg und die Arge Eifel-Nebenbahnen e.V. einigen sich auf die Durchführung von touristischen Sonderfahrten unter der Marke des "Schienenbus Express" nach Bitburg Stadt. Es werden erste Gespräche mit ZSPNV Rlp Nord, dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Stadt Bitburg über die Aufnahme eines regelmäßigen Wochenend-Pendelbetriebes aufgenommen.

September 2008
Wiederinbetriebnahme der Strecke Erdorf - Bitburg Stadt am 20./21.09.2008. Im feierlichen Rahmen bietet die Arge Eifel-Nebenbahnen e.V. am 21.09.2008 ganztägig Pendelfahrten im Stundentakt mit einer zweiteiligen Schienenbusgarnitur an. Das Ergebnis ist beachtlich und macht allen Beteiligten noch mehr Mut: über 700 Fahrgäste an einem einzigen Betriebstag! Zugleich ein historischer Rekord für den kleinen Verein...

2009:
Antrag beim ZSPNV Rlp Nord zur Durchführung eines SPNV-Freizeitverkehres auf der Strecke Erdorf - Bitburg Stadt. Der ZSPNV Rlp Nord stellt einen "Kreativ-Wettbewerb" um die Bestellung von SPNV-Freizeitverkehren in Aussicht.

Juni 2010:

Das Projekt des SPNV-Freizeitverkehres Erdorf - Bitburg Stadt wird unter der Marke "Teufelslinie"  am 19.06.2010 öffentlich in Erdorf vorgestellt. Die Marke "Teufelslinie" wurde ausgewählt, da eine Weiterführung der Verkehre - in Anlehnung an den ehemaligen Streckenverlauf der Bahnstrecke - zur Teufelsschlucht Ernzen angestrebt wird (mit Bustransfer ab/bis Bahnhof Bitburg Stadt).

Juli 2010:
Die Arge Eifel-Nebenbahnen e.V. führt am 11.07.2010 erstmals eine Schienenbus-Sonderfahrt nach Bitburg Stadt durch, welche den über 100 Fahrgästen auch einen Bus-Anschluss zur Teufelsschlucht Ernzen anbietet. Viele Fahrgäste aus dem Ruhrgebiet werden von dem Natur-Erlebnis in der ihnen bislang noch unbekannten Teufelsschlucht Ernzen besonders begeistert und entdecken die Attraktivität der Südeifel!

August 2010:
Das Projekt "Teufelslinie" und der aktuelle Sachstand werden am 04.08.2010 auf Einladung von Herrn Bgm Kandels im Rathaus Bitburg vorgestellt und diskutiert.
Kurz darauf wird ein Antrag zur Aufnahme der "SPNV-Freizeitverkehre Erdorf - Bitburg Stadt" ab Beda-Markt 2011 in das zuständige Gremium, den ZSPNV Rlp Nord, eingebracht. 

Herbst 2010:
Drei Eisenbahnverkehrsunternehmen bekunden gegenüber der Arge Eifel-Nebenbahnen e.V. ihr verbindliches Interesse an der Durchführung der SPNV-Freizeitverkehre auf der touristischen "Teufelslinie" zur Saison 2011.
Eines der Eisenbahnverkehrsunternehmen gibt bereits ein vertragsreifes Angebot ab; ein weiteres Eisenbahnverkehrsunternehmen legt wichtige Paramater zur gemeinsamen Ausarbeitung eines Angebots vor.

November 2010:
Der ZSPNV Rlp Nord macht den Beschluss zur Bestellung der SPNV-Freizeitverkehre im Jahr 2011 kurzfristig davon abhängig, dass das Angebot zwingend von einem Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) selbst und dies auch bereits bis spätestens zum 19.11.2010 eingereicht werden muss.
Es entsteht daraufhin eine paradoxe Situation: Bürgerinnen und Bürger, die sich rein ehrenamtlich für ihre Bahn engagieren wollen, müssen unter Zeitdruck entscheiden, wie hoch das wirtschaftliche Risiko ist, welches sie dabei noch zusätzlich eingehen wollen - und zeitgleich diskutieren parallel öffentliche Mandatsträger medial über die Perspektivlosigkeit und Unwirtschaftlichkeit der gleichen Bahnstrecke.
Schließlich besteht ein Einvernehmen, dass die Entscheidung über eine Bestellung des SPNV-Freizeitverkehres Erdorf - Bitburg Stadt unter diesen Umständen vertagt werden muss.

Dezember 2010:
Die Verbandsversammlung des ZSPNV Rlp Nord verabschiedet unter Beteiligung des Eifelkreises Bitburg-Prüm unerwartet eine "Rahmenkonzeption" für zukünftige SPNV-Freizeitverkehre im nördlichen Rheinland-Pfalz mit gravierenden Folgen für das Projekt "Teufelslinie".
Die Rahmenkonzeption sieht u.a. für Neuverkehre einen maximalen Betriebskostenzuschuss von nur noch 6,- EUR je Zugkm vor, inklusive einem erfolgsabhängigen Anteil von 50%.
Der Beschluss führt  dazu, dass die Wirtschaftlichkeit von SPNV-Freizeitverkehren de facto nur noch ab einer bestimmten Streckenlänge erreicht werden kann. Die "Südeifelbahn" ist hierfür mit nur 6,2 Kilometern zu kurz. Denn selbst bei einem Stundentakt würden hier lediglich 100 Zugkm je Betriebstag erbracht - und somit ein Betriebskostenzuschuss von lediglich mindestens 300,- EUR und maximal 600,- EUR je Betriebstag gezahlt. Dies entspricht allenfalls den Gebühren, welche der Betreiber zur Nutzung der Gleise hätte zahlen müssen (Trassennutzungsgebühren an die Stadtwerke Bitburg in Höhe von etwa 3 EUR je Zugkm und Trassennutzungsgebühren zur Überführung des Schienenfahrzeuges zu einem Abstellgleis mit Tank- und Wartungsmöglichkeiten, da in Bitburg nicht vorhanden).

Der höchste Kostenfaktor derartiger Betriebe ist aber das Schienenfahrzeug selbst - ganz unabhängig davon, ob es 100, 200 oder 300 Kilometer am Tag fährt. Ein kilometerabhängiger Zuschuss führt also dazu, dass die Fahrzeugkosten bei einer hohen Kilometerleistung durch die Förderung mehr oder weniger gedeckt werden können, während bei einer geringen Kilometerleistung ein geringer Zuschuss den gleich hohen Fahrzeugkosten gegenüber steht.
Der Beschluss zwingt also jeden seriös kalkulierenden Betreiber von SPNV-Freizeitverkehren mögliche Neuverkehre von der Streckenlänge abhängig zu machen und sich auf die Projekte zu konzentrieren, wo wesentlich höhere Kilometerleistungen je Betriebstag erzielt werden können.
Es ist also de facto ein Beschluss, der einem möglichen "SPNV-Freizeitverkehr Erdorf - Bitburg Stadt" jede realistische Perspektive nimmt.
Trotzdem wird dieser Beschluss vom Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm gegenüber der Arge Eifel-Nebenbahnen e.V. verteidigt.
Dabei hatte es auch im Vorfeld zu keinem Zeitpunkt auch nur eine einzige Anfrage an den Verein gegeben, welche Konsequenzen er bei einem solchen Beschluss für das Projekt fürchtet.

Januar 2011:
Die Mitglieder der Arge Eifel-Nebenbahnen e.V. entscheiden sich schließlich am 29.01.2011 einstimmig zur Auflösung des Vereins.

2011 - 2014:
Die Bilanz des hier scharf kritisierten und vom Eifelkreis Bitburg-Prüm mitgetragenen Beschlusses des ZSPNV Rlp Nord:
Zum Zeitpunkt 12/2010 gab es im nördlichen RLP drei "SPNV-Freizeitverkehre".
In den Folgejahren kam es nach dem o. g. Beschluss nur zu der Betriebsaufnahme eines einzigen Neuverkehres im Hunsrück (Morbach - Büchenbeuren, ab 2012) - und dieser musste dann auch bereits vor der Saison 2014 wieder eingestellt werden, da die Erlöse zur Deckung der Infrastrukturkosten nicht mehr ausreichen konnten (Streckensperrung und Ausschreibung der Infrastruktur nach § 11 AEG).
In 2014 gab es dann nur noch zwei "SPNV-Freizeitverkehre" im nördlichen RLP.
Es ist - Stand 10/2014 - somit kein einziger Betreiber bekannt, der unter den Bedingungen des Beschlusses von 12/2010 einen Neuverkehr aufnehmen und dauerhaft betreiben konnte!

September 2014:
Die Stadtwerke Bitburg haben ein Verfahren nach § 11 AEG zur Stilllegung des öffentlichen Infrastrukturbetriebs im Bundesanzeiger veröffentlicht, nachdem offenbar Einigkeit mit einem Interessenten erzielt werden konnte, der die Infrastruktur im Falle einer Genehmigung zur dauerhaften Stilllegung des öffentlichen Infrastrukturbetriebs übernehmen möchte.

Ein Nachwort:
Über Jahre haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger für eine realistische Perspektive einer Eisenbahninfrastruktur eingesetzt, welche die Stadt für viel Geld erworben hatte. Die Infrastruktur wäre für einen "SPNV-Freizeitverkehr" mit Museumsbetrieb ideal gewesen.
Doch in der Öffentlichkeit und in der Kreispolitik stand dieses bürgerschaftliche Engagement jahrelang im Schatten einer vermeintlichen Wiederinbetriebnahme der Strecke für Schienengüterverkehre zum Flugplatz Bitburg. Ein Vorhaben, das zu keinem Zeitpunkt realistisch war, ist oder sein wird. Seit 2012 hat sich diese Einsicht auch kommunalpolitisch durchgesetzt.
Für die "Teufelslinie" leider zu spät. Die Durchführung von SPNV-Freizeitverkehren war hingegen eine realistische Perspektive, deren Umsetzung einzig an einem nicht nachvollziehbaren Beschluss im Dezember 2010 scheiterte, den der Eifelkreis Bitburg-Prüm unverständlicher Weise mitgetragen hat.

Andreas Kurth